Zweckverband
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Zweckverband zur Abwasserbeseitiung in den Simsseegemeinden
       Zweckverband zur Abwasserbeseitiung in den Simsseegemeinden

Versammlung mit den Landwirten aus dem Modellgebiet Riedering

Für das Gemeindegebiet Riedering fand am 10. Februar 2011 um 19:30 Uhr eine Landwirteversammlung im Gasthaus Hirzinger in Söllhuben statt, um den Landwirten, die wesentlichen Inhalte zur Verringerung des Nährstoff- und Keimeintrages in den Simssees zu vermitteln. Neben dem Ersten Bürgermeister der Gemeinde Riedering, Josef Häusler, dem Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes, Jürgen Lohse, Frau Edeltraud Wissinger vom Büro Ecozept und Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, waren rund 30 interessierte Landwirte anwesend.

 

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Häusler und Herrn Lohse, die sich bei den Landwirten für ihr zahlreiches Kommen bedankten, folgte ein kurzer Vortrag von Katharina Heiss, die im Laufe ihres Abiturs eine Facharbeit über den Simssee schrieb. Dank der Unterstützung von Herrn Dr. Roch erhielt sie viele Informationen bezüglich der Entstehung und Entwicklung des Simssees. Sie erhielt Einblicke über die Nährstoff- und Keimeinträge, die zu einer Belastung des Sees führten. Als Dank überreichte ihr Herr Häusler einen Blumenstrauß.

 

 

Herr Hubert Hamberger, der als Riederinger Landwirt schon viel für die Umsetzung des Simsseeschutzprojektes beigetragen hat, wurde mit einer Dankurkunde und einem Gutschein für das Gasthaus Hirzinger ausgezeichnet.

 

 

Im Anschluss daran folgte der Film „Eiszeit im Rosenheimer Land“, der vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim in Zusammenarbeit mit einigen weiteren Akteuren erstellt wurde. Dieser zeigte, wie sich aus dem Gletschereis der Inn-, Chiemsee-, Prien- und Gammernwald-Gletscher im Laufe der Jahrtausende, Schmelzwasser bildete, aus welchen Bächen, Flüsse und Seen entstanden – unter anderem der Simssee. „Wir leben in einer Landschaft, die aus Gletschereis geschaffen ist.“, so lautete der Schlusssatz. Des Weiteren folgte ein Vortrag von Herrn Dr. Roch über die Wasserqualität des Simssees. Er erläuterte, dass gemäß der Wasserrechtsrahmenrichtlinie, welche von der EU festgelegt wurde, bis 2015 ein „guter“ ökologischer Zustand aller Gewässer erreicht werden muss. Falls dieser nicht erreicht wird, ist der gute ökologische Zustand bis 2021, spätestens bis Ablauf 2027 herzustellen. Sollte bis zum Ablauf dieser Frist der geforderte Zustand des Gewässers nicht erreicht werden, ist mit Sanktionszahlungen an die EU zu rechnen. Diese Zahlungen werden üblicherweise vom Bund auf die Länder und schließlich auf die Landwirtschaft umgelegt. Aufgrund der positiven Erfahrung im Modellgebiet Riedering, sieht Herr Dr. Roch aber durchaus die Chance, den guten ökologischen Zustand für den Simssee zu erreichen, wenn weiterhin die bisherigen Maßnahmen zur Nährstoffreduktion durch die Landwirte praktiziert werden. Laut dem von ihm erstellten Diagramm, haben sich die Phosphoreinträge von 1996 bis 2009 erheblich reduziert und weisen ab 2009 keine Spitzenwerte mehr auf.

 


Richard Mühlbauer, der Sprecher des Arbeitskreises „Landwirtschaft, Natur und Landschaft“, der Dorferneuerung Riedering stellte sich anschließend vor und erläuterte die Möglichkeit, Auffangbecken zu schaffen, in welchen sich die Nährstoffe absetzen könnten. Dadurch würde das Regenwasser, inklusive der ausgeschwemmten Nährstoffe, nicht sofort in den Simssee laufen, sondern vorher in den Sedimentationsbecken zur Ruhe kommen. Der Großteil der Nährstoffe verbleibt auf diese Weise im Becken bleiben und könnte nach dem Ausbaggern wieder auf die Felder ausgetragen werden. In den Augen von Herrn Dr. Roch ist diese Variante aber nicht erste Priorität und nur bei kleineren Flächen von Nutzen, da das Verhältnis des Beckenvolumens zur Wassermenge passen muss. Dennoch ist er sich sicher, dass dies in Einzelfällen eine gute Möglichkeit zur Verminderung des Nährstoffeintrages wäre. Insgesamt ist es aber effizienter, die Ausschwemmung von Nährstoffen und Erdreich schon vorher zu vermeiden – wie durch die bisher praktizierten Anbauweisen (z. B. Mulchsaat und Zwischenfrüchte) und durch das Anlegen von Grün- und Schutzstreifen zu Gullys und Bächen. Nicht zu vergessen ist, dass sich durch eine längere Lagerung der Gülle (mind. 6 Monate), die sich darin befindenden Keime beträchtlich verringern. Dies könnte von den Landwirten durch den Bau einer zweiten Güllegrube erreicht werden. In der Diskussionsrunde kam auch der Ärger vieler Landwirte zum Ausdruck, als das Problem der Missachtung von Sperrfristen für die Gülleausbringung zur Sprache kam. Dieses „Vergehen“ würde allen Landwirten zugeordnet, obwohl es nur in Einzelfällen vorkommt. Frau Wissingers Meinung dazu lautete sinngemäß: „Es gibt immer ein paar schwarze Schafe. Man muss aber die Landwirte animieren und fördern, welche sich für die Verbesserung der Wasserqualität des Simssees und der Verringerung des Keimeintrages einsetzen indem sie die Vorschriften einhalten.“ Zu guter letzt kam die Frage, ob Streusalz die Qualität des Sees beeinträchtigen würde. Diese konnte Herr Dr. Roch klar verneinen, da diesbezügliche Untersuchungen keine Feststellungen von Schäden bei Chemismus oder Wasserpflanzen ergaben.

 

 

Es war ein sehr gelungener Abend, der viele Informationen, sowie die Gelegenheit zum Austausch gab und hoffentlich weitere Landwirte animiert, aber auch die jetzt schon tatkräftigen Landwirte bestärkt beim Projekt Simsseeschutz mitzuwirken.

 

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