Zweckverband
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Zweckverband zur Abwasserbeseitiung in den Simsseegemeinden
       Zweckverband zur Abwasserbeseitiung in den Simsseegemeinden

Versammlung vom 17.08.2017

 

Düngeverordnung: Ackerbauern und Grünlandbewirtschafter müssen sich auf neue Regeln einstellen

 

Im Rahmen des Simsseeschutzprojektes trafen sich auf Einladung des AZV Simssee und des Büro Ecozept ca. 60 Landwirte und Behördenvertreter, sowie Bürgermeister der AZV-Gemeinden im GH Hirzinger in Söllhuben um sich über die praktische Umsetzung der im Juni 2017 verabschiedeten neuen Düngeverordnung zu informieren. Teilgenommen haben auch Landwirte aus dem Einzugsgebiet des Tinninger See.

Referent des Abends war Dr. Matthias Wendland, Koordinator des Arbeitsbereiches Düngung, Nährstoffflüsse und Gewässerschutz am Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz (IAB)

Nach der Einführung durch die Projektbetreuerin im Simsseeschutzprojekt, Edeltraud Wissinger mit verschiedenen kritischen Beispielen zur Fruchtfolge, zur Lagerung und Ausbringung organischer Dünger aus dem Simsseeeinzugsgebiet erläuterte Hr. Wendland in einer konzentrierten Präsentation, womit die Landwirte aufgrund der neuen Düngegesetzgebung zu rechnen haben.

 

Ziel der Regelungen in der neuen Düngeverordnung ist es, das Risiko von Gewässer- und Luftverunreinigungen zu reduzieren. Sie wird deutliche Auswirkungen für viele Betriebe haben. Um die Vorgaben einhalten zu können wird es nötig werden, die Nährstoffeffizienz vor allem der organischen Dünger zu steigern.

 

Inhaltlich betrifft sie die Themen Düngeplanung, Regelungen zur Ausbringung, Obergrenzen, Sperrfristen, Nährstoffvergleiche, Lagerkapazitäten und spezifische Länderregelungen.

 

Bilanzierung

Da für die Qualität des Simssee und des Tinninger See vor allem der Eintrag von Phosphor entscheidend ist sind die neuen Regelungen zur Phosphordüngung interessant. So wird ab 2018 der erlaubte Bilanzüberschuss bei Phosphat von 20 auf 10 kg (bei Stickstoff von 60 auf 50 kg) abgesenkt.

Als Neuerung müssen sich Betriebe, die diese Grenzen bei einer  Kontrolle nicht einhalten, verpflichtend einer intensiven Beratung unterziehen und weitere Auflagen erfüllen.

 

Grenze für alle organischen Dünger

Bisher galt schon die Grenze von 170 kg N/ha und Jahr im Betriebsdurchschnitt für Stickstoff aus tierischen Wirtschaftsdüngern. Künftig muss in diesen Wert auch der Stickstoff aller organischen und organisch- mineralischen Düngemittel einbezogen werden. Das betrifft vor allem Biogasanlagen da der aus pflanzlichen Substraten wie Mais anfallende Stickstoff jetzt mitgerechnet werden muss. Eine Folge wird sein, dass Gärreste auf mehr Flächen verteilt werden müssen als bisher.

 

Bis zu fünf Meter Abstand zu Gewässern

Der einzuhaltende Abstand von drei Metern zur Böschungsoberkante eines Gewässers bei der Ausbringung von Düngemitteln auf Flächen mit einer Hangneigung bis 10 % wird auf vier Meter erhöht. Wenn Geräte verwendet werden, bei denen die Streubreite gleich der Ausbringfläche ist oder die mit einer Grenzstreueinrichtung ausgerüstet sind, kann er auf einen Meter reduziert werden.

Zudem dürfen auf den ersten fünf Metern von Flächen mit mehr als 10 % Neigung innerhalb von 20 m zur Böschungsoberkante keine Düngemittel ausgebracht werden. Für Ackerflächen gelten auf den folgenden fünfzehn Metern weitere Auflagen.

 

Ermittlung des Düngebedarfs

Die Ermittlung der notwendigen Düngemenge muss vor einer organischen und auch vor einer mineralischen Düngung erfolgen. Dies gilt vor der Ausbringung wesentlicher Mengen an Stickstoff (mehr als 50 kg/ha und Jahr) und Phosphat (mehr als 30 kg je ha und Jahr) und für jede Kultur und für jeden Schlag bzw. für jede Bewirtschaftungseinheit. Die Düngebedarfsermittlung ist schriftlich aufzuzeichnen und stellt bei Stickstoff eine schlagspezifische Düngungsobergrenze dar; bei Phosphat darf auf Böden mit einem Phosphatgehalt von über 20 mg Phosphat je 100 g Boden (CAL-Methode) maximal die Abfuhr durch das Erntegut gedüngt werden.

Unabhängig von der Düngebedarfsermittlung muss die Höhe der Düngung so geplant werden, dass die Vorgaben der Nährstoffbilanz eingehalten werden können.

 

Einarbeitungspflicht und Ausbringtechnik

Um Ammoniakverluste zu reduzieren müssen Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff und mehr als 2% Trockensubstanz auf unbestelltem Ackerland unverzüglich (innerhalb von vier Stunden) eingearbeitet werden.

 

Verlängerte Sperrfristen

Die Beschränkung der Ausbringung stickstoffhaltiger Düngemittel im Herbst ist wichtiger Bestandteil der neuen Düngeverordnung. Für Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff beginnt die Sperrfrist auf Ackerland nach der Ernte der letzten Hauptfrucht und dauert bis 31. Januar. Ausgenommen davon sind Zwischenfrüchte, Winterraps, Feldfutter bei einer Aussaat bis zum 15. September oder zu Wintergerste nach Getreide bei einer Aussaat bis zum 1. Oktober. Wenn diese Kulturen angebaut sind, dürfen N-haltige Düngemittel bis zum 1. Oktober bis zu einer Höhe von 60 kg Gesamt-N bzw. 30 kg Ammonium- N ausgebracht werden.

Für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau beginnen die Sperrfristen am 1. November und dauern ebenfalls bis 31. Januar. Die Sperrfristen für Grünland können wie bisher um vier Wochen verschoben werden.

 

Vorgaben zu Lagerkapazitäten

Ein wesentliches Ziel der neuen Düngeverordnung stellt die Verbesserung der Nährstoffausnutzung der organischen Wirtschaftsdünger dar. Um diese möglichst optimal zu gestalten sind ausreichende Lagerkapazitäten notwendig, um Gülle etc. zu Zeitpunkten mit den besten Ausnutzungsgraden ausbringen zu können. Deshalb sind lt. Anlagenverordnung sechs Monate für Gülle, Jauche, Gärrückstände unter Berücksichtigung von Niederschlagswasser, Abwasser und Silagesickersäften nötig. Betriebe mit mehr als 3 GV/ha benötigen ab 2020 Lagerraum für neun Monate

 

„Rote Gebiete“ und Länderbefugnisse

Neu ist die Festlegung von roten Gebieten, für die die Bundesländer aufgrund von Länderbefugnisse zu den schon genannten Auflagen drei zusätzliche Maßnahmen festlegen müssen. Deren Festsetzung wird noch dauern und möglicherweise erst 2019 greifen. Als rot werden u.a. Gebiete eingestuft, in denen ein langsam fließendes/stehendes Oberflächengewässer durch eine Eutrophierung durch Phosphat aus landwirtschaftlichen Quellen belastet ist.

 

Von Seiten der LfL werden die Landwirte über Veröffentlichungen und die Bereitstellung von praxisbezogenen Programmen im Internet unterstützt.

 

In der sich anschließenden Diskussion wurden noch verschiedene Praxisfragen geklärt.

 

Der Geschäftsführer des AZV Simssee, Herr Lohse bedankte sich bei den Landwirten für ihr Kommen und das Interesse am Simsseeschutz. Er betonte, dass die Qualitätsverbesserung des Sees nur zusammen mit den Landwirten möglich ist und gab der Hoffnung Ausdruck, dass mittels der vorgestellten Neuerungen der Düngeverordnung das Ziel besser erreicht werden kann.

 

Versammlung mit den Landwirten aus dem Modellgebiet Riedering

Für das Gemeindegebiet Riedering fand am 10. Februar 2011 um 19:30 Uhr eine Landwirteversammlung im Gasthaus Hirzinger in Söllhuben statt, um den Landwirten, die wesentlichen Inhalte zur Verringerung des Nährstoff- und Keimeintrages in den Simssees zu vermitteln. Neben dem Ersten Bürgermeister der Gemeinde Riedering, Josef Häusler, dem Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes, Jürgen Lohse, Frau Edeltraud Wissinger vom Büro Ecozept und Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, waren rund 30 interessierte Landwirte anwesend.

 

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Häusler und Herrn Lohse, die sich bei den Landwirten für ihr zahlreiches Kommen bedankten, folgte ein kurzer Vortrag von Katharina Heiss, die im Laufe ihres Abiturs eine Facharbeit über den Simssee schrieb. Dank der Unterstützung von Herrn Dr. Roch erhielt sie viele Informationen bezüglich der Entstehung und Entwicklung des Simssees. Sie erhielt Einblicke über die Nährstoff- und Keimeinträge, die zu einer Belastung des Sees führten. Als Dank überreichte ihr Herr Häusler einen Blumenstrauß.

 

 

Herr Hubert Hamberger, der als Riederinger Landwirt schon viel für die Umsetzung des Simsseeschutzprojektes beigetragen hat, wurde mit einer Dankurkunde und einem Gutschein für das Gasthaus Hirzinger ausgezeichnet.

 

 

Im Anschluss daran folgte der Film „Eiszeit im Rosenheimer Land“, der vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim in Zusammenarbeit mit einigen weiteren Akteuren erstellt wurde. Dieser zeigte, wie sich aus dem Gletschereis der Inn-, Chiemsee-, Prien- und Gammernwald-Gletscher im Laufe der Jahrtausende, Schmelzwasser bildete, aus welchen Bächen, Flüsse und Seen entstanden – unter anderem der Simssee. „Wir leben in einer Landschaft, die aus Gletschereis geschaffen ist.“, so lautete der Schlusssatz. Des Weiteren folgte ein Vortrag von Herrn Dr. Roch über die Wasserqualität des Simssees. Er erläuterte, dass gemäß der Wasserrechtsrahmenrichtlinie, welche von der EU festgelegt wurde, bis 2015 ein „guter“ ökologischer Zustand aller Gewässer erreicht werden muss. Falls dieser nicht erreicht wird, ist der gute ökologische Zustand bis 2021, spätestens bis Ablauf 2027 herzustellen. Sollte bis zum Ablauf dieser Frist der geforderte Zustand des Gewässers nicht erreicht werden, ist mit Sanktionszahlungen an die EU zu rechnen. Diese Zahlungen werden üblicherweise vom Bund auf die Länder und schließlich auf die Landwirtschaft umgelegt. Aufgrund der positiven Erfahrung im Modellgebiet Riedering, sieht Herr Dr. Roch aber durchaus die Chance, den guten ökologischen Zustand für den Simssee zu erreichen, wenn weiterhin die bisherigen Maßnahmen zur Nährstoffreduktion durch die Landwirte praktiziert werden. Laut dem von ihm erstellten Diagramm, haben sich die Phosphoreinträge von 1996 bis 2009 erheblich reduziert und weisen ab 2009 keine Spitzenwerte mehr auf.

 


Richard Mühlbauer, der Sprecher des Arbeitskreises „Landwirtschaft, Natur und Landschaft“, der Dorferneuerung Riedering stellte sich anschließend vor und erläuterte die Möglichkeit, Auffangbecken zu schaffen, in welchen sich die Nährstoffe absetzen könnten. Dadurch würde das Regenwasser, inklusive der ausgeschwemmten Nährstoffe, nicht sofort in den Simssee laufen, sondern vorher in den Sedimentationsbecken zur Ruhe kommen. Der Großteil der Nährstoffe verbleibt auf diese Weise im Becken bleiben und könnte nach dem Ausbaggern wieder auf die Felder ausgetragen werden. In den Augen von Herrn Dr. Roch ist diese Variante aber nicht erste Priorität und nur bei kleineren Flächen von Nutzen, da das Verhältnis des Beckenvolumens zur Wassermenge passen muss. Dennoch ist er sich sicher, dass dies in Einzelfällen eine gute Möglichkeit zur Verminderung des Nährstoffeintrages wäre. Insgesamt ist es aber effizienter, die Ausschwemmung von Nährstoffen und Erdreich schon vorher zu vermeiden – wie durch die bisher praktizierten Anbauweisen (z. B. Mulchsaat und Zwischenfrüchte) und durch das Anlegen von Grün- und Schutzstreifen zu Gullys und Bächen. Nicht zu vergessen ist, dass sich durch eine längere Lagerung der Gülle (mind. 6 Monate), die sich darin befindenden Keime beträchtlich verringern. Dies könnte von den Landwirten durch den Bau einer zweiten Güllegrube erreicht werden. In der Diskussionsrunde kam auch der Ärger vieler Landwirte zum Ausdruck, als das Problem der Missachtung von Sperrfristen für die Gülleausbringung zur Sprache kam. Dieses „Vergehen“ würde allen Landwirten zugeordnet, obwohl es nur in Einzelfällen vorkommt. Frau Wissingers Meinung dazu lautete sinngemäß: „Es gibt immer ein paar schwarze Schafe. Man muss aber die Landwirte animieren und fördern, welche sich für die Verbesserung der Wasserqualität des Simssees und der Verringerung des Keimeintrages einsetzen indem sie die Vorschriften einhalten.“ Zu guter letzt kam die Frage, ob Streusalz die Qualität des Sees beeinträchtigen würde. Diese konnte Herr Dr. Roch klar verneinen, da diesbezügliche Untersuchungen keine Feststellungen von Schäden bei Chemismus oder Wasserpflanzen ergaben.

 

 

Es war ein sehr gelungener Abend, der viele Informationen, sowie die Gelegenheit zum Austausch gab und hoffentlich weitere Landwirte animiert, aber auch die jetzt schon tatkräftigen Landwirte bestärkt beim Projekt Simsseeschutz mitzuwirken.

 

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