Zweckverband
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Zweckverband zur Abwasserbeseitiung in den Simsseegemeinden
       Zweckverband zur Abwasserbeseitiung in den Simsseegemeinden

 

Grünlandversammlung am 06.04.2016


Rund 100 interessierte und engagierte Landwirte aus den Gemeinden rund um den Simssee sind der Einladung zur Grünlandversammlung des Büros Ecozept im Gasthaus Hilger in Hirnsberg gefolgt. Anwesend waren auch Frau Lammer und Herr Überacker als Vertreter des Amtes für Landwirtschaft Rosenheim. Das Fachbüro Ecozept aus Freising ist im Rahmen des Projektes Simsseeschutz des Abwasserzweckverband (AZV) Simssee beauftragt, die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie zu begleiten. Seit 2003 arbeiten der AZV, Ecozept und die Landwirte mit fachlicher Begleitung durch das Wasserwirtschaftsamt eng zusammen, um die Verbesserung der Wasserqualität des Simssees zu erreichen und zu erhalten. Hierfür gibt es seit Beginn des Projektes einen Arbeitskreis mit Landwirten aus den betroffenen Gemeinden (Bad Endorf, Prutting, Riedering, Söchtenau, Stephanskirchen), in dem geeignete Maßnahmen zur Erreichung des Ziels „ökologisch gute Qualität des Simssees“ gemeinsam erarbeitet wurden und weiter entwickelt werden. Die Beratung der 200 Landwirte im 6.000 ha (davon 3.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche mit 2.400 ha Grünland und 600 ha Ackerflächen) großen Einzugsgebiet des Simssees geschieht über Betriebsberatungen, Fach-Rundbriefe, Demoversuche mit Feldbegehungen und Versammlungen. Einige Landwirte haben zum Zwischenfruchtanbau oder zur Einsaat von Untersaaten im Mais und zur Mulchsaat Verträge mit dem AZV abgeschlossen und erhalten hierfür finanzielle Unterstützung aus dem Topf von 30.000 Euro, den der AZV pro Jahr als freiwillige Leistung für den Simsseeschutz bereitstellt.

Der Verbandsvorsitzende BM Auer aus Stephanskirchen eröffnete die Versammlung und zeigte sich sehr erfreut über die hohe Anzahl an interessierten Landwirten, sowie Bürgermeisterkollegen und Gemeinderäten an diesem wichtigen Thema Seenschutz. Frau BM Laban aus Bad Endorf schloss sich dem in ihrem folgenden Grußwort als gastgebende Bürgermeisterin an.

Zum fachlichen Einstieg schilderte Herr Dr. Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim die Einstufung der Qualität des Simssees, sowie die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des Simsseeschutzprojektes. Er fand lobende Worte für die bereits erfolgreich durchgeführten Maßnahmen und wies auf weiteren notwendigen Handlungsbedarf bezüglich der Verringerung des Phosphoreintrages in den See hin. Die EU-weit gültige Wasserrahmenrichtlinie forderte für den Simssee bis zum Jahr 2015 den dauerhaften ökologischen Zustand „gut“. Dieses Ziel wurde noch nicht ganz erreicht, die Einstufung liegt derzeit zwischen „gut“ und „mäßig“. Die Wasserrahmenrichtlinie sieht nun zwei weitere 6-Jahreszeiträume zum Erreichen des „guten ökologischen Zustandes“ des Simssees durch freiwillige Maßnahmen vor. Die fachliche Zuständigkeit für die landwirtschaftlichen Maßnahmen liegt bei der Landwirtschaftsverwaltung. Wird bis zum Jahr 2027 diese Anforderung nicht erfüllt, muss mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen gerechnet werden.
Die Auswirkungen erhöhter Nährstoffeinträge in den See zeigen sich unter anderem am Sauerstoffgehalt im Wasser, welcher in den Sommermonaten in den oberflächennahen Schichten 8-10mg/l beträgt und notwendig ist, um ein Leben insbesondere für Fische zu ermöglichen. Unterhalb einer Wassertiefe von 8 bis 10 m sinkt der Sauerstoffgehalt während der Sommerstagnation regelmäßig auf etwa 1 mg/l. Dieser ist für Fische nicht ausreichend um zu überleben, beeinträchtigt die Artenzusammensetzung im See und fördert anaerobe Umsetzungs- und Faulprozesse im Tiefenwasser.
Maßgebend beeinflussende Faktoren für die Wasserqualität sind die Einträge durch Phosphor. Die in den Jahren 2003 und 2015 erreichten Werte von 20 Mikrogramm Phosphor pro Liter sind das erstrebenswerte Ziel um den notwendigen guten Zustand zu erreichen. Diese niedrigen Werte werden mit den geringen Niederschlagsmengen in diesen zwei heißen Sommern in Zusammenhang gebracht.
Im Anschluss berichtete Frau Wissinger von Ecozept über die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre: Sie zeigte anhand von Bildern aus dem Einzugsgebiet positive Umsetzungsbeispiele für die Lösung der für den Phosphoreintrag in den Simssee verantwortlichen Eintragspfade, Erosion von Ackerflächen und Abschwemmung von Grünland, auf. Gleichzeitig wies sie auf nach wie vor bestehende Situationen mit Handlungsbedarf hin. So gibt es noch zu viele Ackerflächen ohne Bodenbedeckung im Winter, die Düngung mit organischen Düngern erfolgt nicht immer zeit- und bedarfsgerecht, über Gullys an und in Acker- und Grünlandflächen wird der Nährstofftransport Richtung See beschleunigt.
Die Grünlandversammlung soll dazu dienen, den Landwirten Informationen an die Hand zu geben, wie die Bewirtschaftung der im Simssee-Einzugsgebiet weit überwiegend vorhandenen Grünlandflächen seenverträglich stattfinden kann.


Zum Thema „Phosphorabschwemmung von Grünlandflächen“ konnte Frau Wissinger Herrn Dr. Prasuhn von der Bundesforschungsanstalt der Schweiz gewinnen, der seit langem über die Phosphorabschwemmung von Grünland forscht und anschaulich Maßnahmen vorstellte, die in den untersuchten Gebieten zu einer Reduzierung führen. Als landwirtschaftliche Maßnahmen ist zur Vermeidung von Oberflächenabfluss die Verbesserung der Wasserinfiltration (Aufnahme der Niederschläge) in den Boden) durch Vermeidung von Bodenverdichtung, Schaffung geschlossener Grasnarben, Verlangsamung des Wasserabfluss (Feldgrösse, Schnitthäufigkeit, etc.), Drainagen wichtig. Um auch die Phosphorgehalte zu verringern ist eine standortangepasste (Menge und Ausbringungstechnik) und zeitgerechte Düngung (keine organische Düngung vor angekündigtem Starkregen), sowie die Berücksichtigung des im Oberboden bis ca. 15 cm vorhandenen Phosphors (der mit Düngung ausgebrachte Phosphor reichert sich dort an) bei der Düngung entscheidend. Daneben kann (direkter und indirekter) Gewässeranschluss über Strukturverbesserungen (Strassenentwässerung und Drainage), die gezielte Ableitung von Wasser und die Schaffung von Wasserrückhaltebecken (Weiher, Biotope etc.) vermieden werden. Allerdings sind Maßnahmen am Ort der Entstehung des Eintrages wirksamer.
Als Zusammenfassung seiner Schweizer Forschungsergebnisse führte er aus, dass in Einzugsgebieten mit Graslandnutzung und hohem Viehbesatz die P-Abschwemmung einer der wichtigsten P-Eintragspfade ist; es meist nur wenige Flächen sind, die maßgeblich zur P-Belastung beitragen (Hotspots); vor allem Einzelereignisse einen maßgeblichen Beitrag zur P-Jahresfracht leisten; ereignisbezogene P-Verluste, die in direktem Zusammenhang mit der Gülleausbringung stehen, nur einen relativ kleinen Anteil an der Jahresfracht haben; der überwiegende Teil der Jahresfracht bodenbürtig ist und aus den z.T. stark mit P überversorgten Böden durch jahrzehntelange Gülledüngung stammt; die P-Gehalte der Böden nur sehr langsam abnehmen, auch wenn die P-Düngung reduziert wird.

Mit Prof. Dr. Martin Elsäßer vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) in Aulendorf konnte ein weiterer ausgewiesener Grünlandexperte für die Versammlung gewonnen werden. Er weckte mit dem Vortrag über „Steigerung der Nährstoffeffizienz im Grünland durch Grünlandverbesserung“ großes Interesse. Grünlandverbesserung hat er dabei als „alle Methoden, die den Futterwert, den Ertrag und den Nutzwert von Grünlandaufwüchsen und damit die Effizienz der Nährstoff-Ausnutzung steigern“ definiert.
Die Zusammensetzung und Dichte der Grasnarbe entscheidet über einen guten, nährstoffeffizienten Grünlandbestand. Stark negativ wirkt sich die Bodenverdichtung durch Bearbeitung mit (zu) schweren landwirtschaftlichen Maschinen auf die Nährstoffeffizienz aus. Denn dadurch kommt es u.a. zur Verminderung des Porenvolumens, Reduktion der Wurzellängen, Bestandsveränderungen (Zunahme unerwünschter Pflanzen wie Gemeine Rispe), Ertragsdepressionen (Rückgang Trockenmasse und Energieertrag), Lachgasemissionen.
Mit steigender Düngung und Nutzungshäufigkeit werden die Pflanzen nicht angeregt tiefer zu wurzeln und den Boden dadurch aufzulockern, in der Folge reagieren Grünlandböden z.B. anfälliger auf oberflächige Bodenverdichtung oder Trockenheit. Obwohl Grünlandböden bez. physikalischer und biologischer Einflüsse stabiler sind als Ackerböden ist teilweise mit starken Nachwirkungen bei erfolgten Funktionsstörungen zu rechnen, auch wenn die Bewirtschaftung in der Folge gut und die Düngung ausreichend war.
Herr Elsäßer war sich mit Hr. Prasuhn einig, dass Gülle an sich nicht das Problem bez. Nährstoffausträgen ist, sondern dass es in den meisten Fällen das ZUVIEL an Gülle ist. Dabei ist eine verbesserte Ausnutzung der im landwirtschaftlichen Produktionsprozess eingesetzten Nährstoffe doppelt sinnvoll. Ökonomisch (u.a. durch Vermeidung von Kosten) und ökologisch.
Des Weiteren ging er auf verschiedene Aspekte der anstehenden neuen Düngeverordnung ein, wie Vorgaben zur erlaubten Ausbringungstechnik, der Düngeberechnung und der damit verbundenen Düngebedarfsermittlung, sowie der Stickstoffobergrenze auch für Biogasgärreste.
Zur Bekämpfung des stumpfblättrigen Ampfers gab er als Empfehlungen, das Senken der Stickstoffdüngermenge, die Verhinderung der Samenvermehrung und das Schließen von Lücken im Bestand.
Jedem Landwirt, der darüber nachdenkt eine Grünlandverbesserung durchzuführen riet er als erstes zu einer klaren Situationsanalyse (Zustand des Bestandes; was war die Ursache dafür – Zeitpunkt der Nutzung, Düngemenge-/-zeitpunkt/-technik und Analyse geeigneter Methoden der Verbesserung: Bestand verändern; (Un)kraut bekämpfen, Übersaat, Durchsaat, Neuansaat).
Bei der Sätechnik für Grünland empfahl er eine Nachsaat mit 5 kg/ha Deutschem Weidelgras oder Knaulgras nur dann als mehrmalige Übersaat/Jahr wenn Lücken im Bestand vorhanden sind. Sonst ist eine einmalige Durchsaat von 25 kg/ha Deutschem Weidelgras oder einer Saatgutmischung mit Spezialmaschinen effektiver. Als Saatgut sollten gute, geprüfte Dauergrünlandmischungen gesetzt werden, da die Ertragsunterschiede zwischen guten und schlechten bis zu 30% betragen können. Ein Grünlandumbruch mit Neuansaat (hohes Ansaatrisiko, Witterung) brachte mit die schlechtesten Ergebnisse bez. Trockenmasseertrag im Vergleich zu anderen Grünlandverbesserungsmaßnahmen. Deutlich am besten schnitten die Durchsaat (1x/Jahr) und die Nachsaat (2x/Jahr) ab.
Bei der Saat lassen sich die Auflaufchancen verbessern, wenn Regen auf die Ansaat folgt, möglichst viel Deutsches Weidelgras eingesetzt wird, mind. 2 zeitige Folgenutzungen stattfinden, auf Gülle im Ansaatjahr verzichtet (oder zumindest nur sehr stark verdünnte Gülle) ausgebracht und Mantelsaatgut eingesetzt wird.


Im Anschluss nutzten die Landwirte die Möglichkeit zur Diskussion mit den Referenten.
Insgesamt war es ein sehr informativer und gut angenommener Abend. Frau Wissinger betonte in Ihrem Abschlusswort nochmals die angebotene Unterstützung durch das Büro Ecozept zur Umsetzung individueller betrieblicher Lösungen zum Simsseeschutz.

 

 

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