Zweckverband
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Zweckverband zur Abwasserbeseitigung in den Simsseegemeinden
       Zweckverband zur Abwasserbeseitigung in den Simsseegemeinden

Abwasserzweckverband (AZV) der Simsseegemeinden; Ecozept GbR

 

Mitteilung für die Presse

Stephanskirchen, Freising, 21.06.2021

 

Deckel drauf – für den Simsseeschutz

Weitere Gullys im Einzugsbereich des Sees geschlossen

 

Zur Reduzierung des Nährstoffeintrags in den Simssee werden seit Jahren im Rahmen des Simsseeschutzprojektes des Abwasserzweckverbandes (AZV) verschiedene Maßnahmen innerhalb der fünf AZV-Gemeinden von den Landwirten umgesetzt. Dabei geht es zum einen um den Anbau von Zwischenfrüchten oder Untersaaten im Mais, sowie die Mulchsaat von Sommerkulturen. Bei der Grünlandbewirtschaftung kommt es vor allem darauf an, die Gülle in angepasster Menge, zum richtigen Zeitpunkt und mit den nötigen Abständen zu Gräben auszubringen. Dies wurde durch die Neufassung der Düngeverordnung ab 2021 noch stärker präzisiert.

Zur möglichen Verringerung des direkten Abflusses von Wasser über Gullys entlang der Straßen oder in landwirtschaftlichen Flächen erklärt Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim: „Neben den Maßnahmen auf den landwirtschaftlichen Flächen kann über das Schließen von Gullys, die wie Vorfluter für den See wirken können, ein gewisser Beitrag zur Minderung des Nährstoffeintrags in den See erreicht werden“.

Bisher wurden auf Maisfeldern „grüne Ecken“ vor Gullys angelegt, um den Abfluss des Oberflächenwassers zu bremsen. Andere Ackerflächen direkt an Gullys wurden dauerhaft begrünt und durch diese Nutzungsänderung der Eintrag über Erosion vermindert. Zum direkten Verschließen von drei Gullys an einer Gemeindestraße in Prutting trafen sich nun der AZV-Vorsitzende und Stephanskirchener Bürgermeister Karl Mair, der Bürgermeister von Prutting Johannes Thusbass, Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und Edeltraud Wissinger vom Büro Ecozept mit den Bewirtschaftern der angrenzenden Grünlandflächen. Mit Unterstützung des Bauhofs Prutting konnte die Aktion zügig durchgeführt werden.

BU: von links: BM und AZV-Vorsitzender Karl Mair (Stephanskirchen), BM Johannes Thusbaß (Prutting), Edeltraud Wissinger (Büro Ecozept), Dr. Hadumar Roch (WWA Rosenheim) vor einem der geschlossenen Gullys.

Weitere Gullys in den Gemeindegebieten Prutting und Riedering wurden in den letzten Jahren mit einem geschlossenen Deckel versehen. Teilweise erledigten dies die Landwirte selbst, teilweise geschah es in der Zusammenarbeit mit den Bauhöfen der Gemeinden oder durch die Straßenbauverwaltung des Landkreises. Bei Gullys direkt an den Straßen wurde vorab mit den Verantwortlichen abgeklärt, ob zur Verkehrssicherheit der Straßen Wasser über die offenen Gullys abgeführt werden muss oder ob das nicht nötig ist. Bei Gullys in Äckern oder Wiesen war nur die Absprache mit den Bewirtschaftern nötig, berichtet Frau Wissinger vom Büro Ecozept: „Die Betroffenen waren stets offen für eine andere Gestaltung der Gullys.“ Bei mehreren Gullys im Einzugsbereich des Simssees laufen gerade die Gespräche bezüglich ihrer Schließung.

 

Die Bürgermeister Mair und Thusbaß packten kräftig mit an und freuten sich: „Schön, dass durch die Vermittlung von Ecozept die Zustimmung der beiden Landwirte zum Verschließen von drei Gullys im Gemeindegebiet Prutting möglich wurde. Vielen herzlichen Dank dafür an die Landwirte; so können wir mit einem weiteren Schritt zum Schutz des Simssees beitragen“.

 

Abdruck honorarfrei. Beleg erbeten.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Jürgen Lohse, AZV Simsseegemeinden, Tel. +49 (0)8031 72 23 51

oder

Edeltraud Wissinger, Ecozept, Tel. +49 (0)8161 14 82 25

 

 

Simsseeschutz Rundschreiben für Sie zum Download
Rundschreiben Simssee-AZV_20201201.pdf
PDF-Dokument [821.9 KB]

 

Das Simsseeschutz-Projekt

Das Thema "Simsseeschutz" wurde seit 1997 diskutiert, als bekannt wurde, dass diffuse Nährstoffeinträge die Badequalität des Simssees bedrohten. Eine Studie des lokalen Wasserwirtschaftsamtes ergab, dass einerseits Erosion von Ackerflächen, andererseits Oberflächenabschwemmungen des Grünlandes die auslösenden Faktoren waren. Vertreter aus dem ganzen Landkreis - Landrat, Abwasserzweckverband (AZV), Gesundheitsamt, Wasserwirtschaftsamt, Landwirtschaftsamt, Untere Naturschutzbehörde, Gemeinden, Obmänner des Bayerischen Bauernverbandes BBV und Seebesitzerverband - setzten sich daraufhin an einen Tisch, um Lösungen für den Schutz des Badegewässers zu finden.

In der Folge hat sich der Abwasserzweckverband als freiwillige Aufgabe das Ziel gesetzt, die Wasserqualität des Simssees zu verbessern. Hierfür stehen seit 2003 jeweils 30.000 €/Jahr zur Verfügung.

Die Arbeit auf den rund 2.400 Hektar Grünland und 450 Hektar Ackerland innerhalb der fünf Zweckverbandsgemeinden wurde zunächst auf das Modellgebiet Riedering begrenzt. Ausgehend von Erfahrungen in dieser Gemeinde sollte der Gewässerschutz in einer späteren Phase flächendeckend ausgebaut werden. Das beauftragte Planungsbüro Ecozept aus Freising konzentrierte sich bei der Arbeit auf zwei entscheidende Faktoren: Zum einen war es wichtig, den Phosphateintrag zu reduzieren, zum anderen galt es, den Gehalt an Indikatorkeimen für die Badegewässerqualität (z. B. in erster Linie E.Coli), die aus organischer Düngung in den See gelangten, zu senken.

 

 

Saat mit dem Hang 

 

Saat quer zum Hang   

Die dafür geeigneten Maßnahmen wurden zusammen mit einer Arbeitsgruppe bestehend aus Gemeinde, Behörden (Wasserwirtschaftsamt, Landwirtschaftsamt, Gesundheitsamt, Landratsamt) und Obmännern des BBV erarbeitet und in einem Agrarprogramm zusammengefasst.

Die Arbeitsgruppe auf einer Feldbegehung

 

Darin sind verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Phosphateintrags wie zum Beispiel der Anbau von Zwischenfrüchten auf Ackerflächen, die Untersaat von Gräsern auf Maisfeldern oder die Einhaltung von Düngeabständen in Grabennähe enthalten. Gleichzeitig wurde im Agrarprogramm ein Solidarbeitrag der Landwirte definiert, in dem es um die Einhaltung von genauen Mengen-, Zeit- und Verdünnungsvorgaben bei der organischen Düngung geht. Die gesammelten Empfehlungen für die landwirtschaftliche Nutzung im Gebiet flossen in den Leitfaden "Simsseeschutz" ein, der als Loseblattsammlung an alle Höfe im Modellgebiet Riedering verteilt wurde.

Weidelgrasuntersaat  

Zwischenfrucht nach Mais im Herbst

 

Für die Bewertung eines Badegewässers hinsichtlich seiner Qualität spielen die Gehalte an Indikatorenkeimen während der Badesaison eine ausschlaggebende Rolle. Da es immer wieder zu Leitwertüberschreitungen kam, wurde von den Projektverantwortlichen ebenfalls an der Reduzierung von Keimeinträgen gearbeitet.

 

Direkter Eintrag nach Regen

Abhilfe durch grüne Ecke im Maisacker

 

Dazu war es einerseits wichtig, unsachgemäße Entwässerungen umgehend zu unterbinden und zum anderen die Quellen für Einträge ausfindig zu machen. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren entnahmen die Experten an Drainageausläufen zweiwöchentlich Wasserproben und stellten fest: Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen schlechter Witterung und vohergehender organischer Düngung beim Gehalt an Keimen in Drainageausläufen. Zudem wurden Untersuchungen auf den Keimgehalt von unterschiedlich lang gelagerter Gülle durchgeführt. Nach sechs bis acht Wochen, so das Ergebnis, hatten sich die Indikatorkeime bereits deutlich abgeabaut. Diese Erkenntnis wurde in die Beratungsarbeit aufgenommen.

                  

Nicht vorschriftsmäßige Festmistlagerung 

 

Korrekte Festmistlagerung

 

Ab dem Jahr 2010 soll die Beratungsarbeit zum Schutz des Simssees vor Phosphor- und Keimeinträgen auch auf die anderen vier Zweckverbandsgemeinden (Bad Endorf, Prutting, Söchtenau und Stephanskirchen) ausgedehnt werden. Die rund 170 Landwirte im gesamten Einzugsgebiet werden anhand der im Modellgebiet entwickelten 21 Maßnahmen beraten, wie sie am effektivsten zur Minderung der Belastung des Simssees mit Phosphor und Keimen beitragen können.

Dieses Prfojekt ist eine Aufgabe, die ihren Erfolg nicht in großartigen Projekten wurzelt, sondern sich durch viele "kleine Schritte" auzeichnet.

All das Erreichte wäre aber ohne die aktive Mitarbeit der Landwirte nicht möglich. Die Vorschläge, die diese "Fachkräfte" vor Ort einbringen, werden durch das Büro ECOZEPT in Absprache mit dem Zweckverband umgesetzt.

Über Beratungsgespräche auf den Höfen, mehreren Bauernversammlungen, Demoversuche mit Feldbegehungen und regelmäßige Fachrundbriefe, wurde über die Jahre an der praktischen Umsetzung der entwickelten Maßnahmen auf den landwirtschaftlichen Flächen im Modellgebiet Riedering gearbeitet. Durch den Anbau von Zwischenfrüchten, die Einsaat von Untersaaten im Mais, die Ansaat von Mais quer zur Hangrichtung, die Anlage von Pufferbereichen vor Gullys direkt am Feldrand, sowie die Einhaltung von Düngeabständen an Gräben konnte die Gefahr von Phosphoreinträgen gesenkt werden.

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Rathausplatz 1
83071 Stephanskirchen

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